Wie ich zum Laufen kam

GEPOSTET: 2012-07-11T15:21:01+00:00
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... oder die Suche nach dem Runnershigh


Sport spielte schon immer eine Rolle in meinem Leben. Erst spielte ich Fussball. Als Junior bei den Jüngsten kam ich auf Grund meiner kleinen Grösse bei den Spielen nicht sehr oft zum Einsatz. Doch schon ein Jahr später entdeckte der Trainer mein wahres Talent: Klein, wendig, schnell; und so stellte er mich in die Sturmlinie, wo ich entweder als Flügel oder als Center agierte. Es folgte eine tolle Junioren Karriere, avancierte ich doch rasch zum Topscorer unserer Mannschaft. Laufen war aber nie mein Ding. So konnte ich mir nicht vorstellen zu Rennen wenn nicht ein Ball in der Nähe war und hatte kein Verständnis dafür, dass jemand einfach so eine Stunde oder gar länger Rennen und dabei auch noch Spass empfinden konnte. In der Ausbildungszeit hat sich mein Leben verändert, den Fussball hängte ich vorerst an den Nagel und Sport geriet in den Hintergrund. 


Ein paar Jahre später plagte mich das schlechte Gewissen. Meiner Gesundheit zu liebe versuchte ich deshalb in der 4. Fussballliga wieder Fuss zu fassen. An meine früheren Erfolge konnte ich jedoch nicht mehr anknüpfen, was auch eine Folge mangelnder Kondition war und so verlor ich etwas die Freude an dem Sport. Alternativ spielte ich zu dieser Zeit auch Eishockey. Im Firmenteam war ich zwar nicht als brillanter Pirouetten drehender Schlittschuhläufer bekannt aber als Stürmer reichte es mir dennoch regelmässig in die Top 3 der Scorerliste zu kommen. So gut mir die Mannschaftssportarten auch gefielen, wollte ich dennoch damit aufhören, denn die ständigen Blessuren ärgerten mich. Nach beinahe jedem Training oder Match taten mir alle Knochen weh und das wollte ich mir so nicht mehr antun. 


Ein Leben ohne Sport sollte es aber auch nicht sein und so folgte der erste schwere Versuch eine Runde zu Joggen. Viel zu schnell rannte ich die 6 Kilometer und als ich zuhause ankam stand ich kurz vor dem Zusammenbruch. Was ist bloss schön an dieser Sportart, dachte ich. Eine Woche später der zweite Versuch, doch auch dieser verlief genau gleich und nach einigen solchen Läufen machte sich langsam Frustration breit. Aufgeben wollte ich aber nicht und so setzte ich mich ein wenig intensiver mit dem Thema Laufen auseinander, kaufte ein erstes Buch über Lauftrainings und besorgte mir eine Pulsuhr. Ja, und das hat dann alles verändert. Ich musste feststellen, dass ich immer viel zu schnell gerannt bin, gerade so, als ob ein Ball oder ein Puck in meiner Nähe war, dem man mit voller Energie hinterher jagen musste. Das langsamere Laufen fühlte sich sehr angenehm an, doch hatte ich immer das Gefühl, dass mich Spaziergänger mit kritischem Blick begutachteten und bestimmt dachten: der arme Kerl.... kann wohl nicht schneller!


Wie auch immer, das war der Anfang meines wunderschönen Läuferlebens. Die Trainings wurden plötzlich mehr und es kam das Verlangen auf, immer weitere Wege zurück zu legen. Wettkämpfe waren nie ein Thema, bis mich ein junger Arbeitskollege anstachelte und mich zu einem Marathon herausforderte. Da er Fussballer war nahm ich die Herausforderung an, denn ich sagte mir ""der kann zwar Fussballspielen aber vom Laufen hat er keine Ahnung"" und war mir sicher, dass ich mein Ziel, den Marathon unter 4 Stunden zu laufen, erreichen würde. Es folgten viele Trainings, manche waren super, andere einfach nur zum Schreien aber ich machte Fortschritte. Mit dem grossen Ziel vor Augen erlebte ich plötzlich Trainings in denen ich ein unglaublich gutes Gefühl in meinem Körper spürte, ich mit leichtem Schritt das Gefühl vom Fliegen bekam und mir trotz Wärme, Schweiss und angenehmer Anstrengung ein kühler Schauer über den Rücken lief. Einfach unbeschreiblich. Dieses Gefühl war es, das ich von da an immer zu finden versuchte. Es gelang längst nicht bei jedem Training aber es war das, was mich antrieb und es auch heute noch tut. Ein Zustand in dem Körper und Geist eins sind, du den Herzschlag spürst und immer so weiterlaufen möchtest, damit dieses einmalige Gefühl des Fliessens und der Schwerelosigkeit nicht aufhört. Selbst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, läuft es mir beim blossen Gedanken daran kalt den Rücken hinunter.


Meinen ersten Marathon lief ich 2005 in Mailand in einer Zeit von 3 Stunden und 52 Minuten; 20 Minuten schneller als mein Herausforderer, der dem mangelnden Trainingsfleiss Tribut zollen musste. Ich war überglücklich und das obwohl ich mich danach kaum noch bewegen konnte. Treppen musste ich rückwärts hinab laufen und das Einsteigen in den Zug kam mir vor wie die letzten Meter einer 4000er Besteigung. Trotzdem, mit diesem eindrücklichen Lauferlebnis war ich nun definitiv nicht mehr vom Laufsport weg zu bringen. Immer mehr Wettkämpfe wollte ich absolvieren; kurze, längere, bergige und und und. Nun stehe ich kurz vor meiner 13. Marathonteilnahme und bin beinahe täglich auf dem Weg das tolle Laufgefühl, welches auch ""Runnershigh"" genannt wird, zu finden.


Hugo Klaus

http://www.hukl.ch



 
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