AUF WILDEN WASSERN MIT DEM KAJAK DURCH REISSENDE FLUTEN Wasser hat Macht. Kraftvoll donnert es durch die Canyons der Erde, unaufhaltsam fräst es tiefe Rinnen ins Gestein. Bei keinem Sport in den Bergen kommt man Wasser so nah wie beim Kajakfahren. Auf dieser Naturgewalt dahinzureiten, ist das Größte für die Profis des adidas Slickline Teams - kein Katarrhakt ist ihnen zu steil, kein Wasserfall zu hoch. Verrückt? Nein, aber eine extreme Challenge für Körper und Geist… Am Rande des Wasserfalls steht ein buntes Etwas. Klein und verloren sieht es aus. Aber Moment – plötzlich bewegt er sich. Es ist ein junger Mann ausgerüstet mit Helm und Schwimmweste. Fieberhaft suchen die Augen des Kajakfahrers nach einer fahrbaren Route durch das Chaos aus Wasser, Fels und schäumender Gischt. Neben ihm stürzen die Wassermassen mehr als 20 Meter in die Tiefe. Ein letztes Mal schließt der Paddler die Augen, geht jede Bewegung im Kopf noch einmal durch, Arme und Oberkörper vollführen eine stumme Choreographie. Kurz darauf spannt der Sportler entschlossen die Spritzdecke über die Luke seines Kajaks und paddelt mit präzisen Schlägen los - let the ride begin ... Seit 10 Tagen befindet sich das internationale Team von professionellen Kajakern, angeführt von Filmemacher und Extrem-Paddler Olaf Obsommer auf dem Agua Azul – auf der Suche nach dem ultimativen Kajaking Abenteuer.
Wellen, Walzen, Wasserfälle - das ist der Stoff aus dem die Paddlerträume sind. Sam Sutton träumt diesen Traum nicht nur – er lebt ihn. Obwohl der 23jährige Neuseeländer erst seit sechs Jahren im Boot sitzt, gehört er schon zu den besten Kajakfahrern der Welt: 2010 setzte sich der „Mean Maori" die Krone bei der adidas Sickline-Weltmeisterschaft für Extrem-Kajakfahrer auf. Und auch 2011 zeigte er den Konkurrenten nur das Heck seines Kajaks. Doch heute geht es nicht um den perfekten Wettkampf, nicht um Zehntelsekunden und den Kampf gegen die Gegner. Heute will Sam sich seine Portion Adrenalin abholen und einen 22 Meter hohen Wasserfall erstbefahren. Was hier zählt, sind Technik, gute Nerven und ordentlich Cojones in der Hose. Apropos: Sein erstes Hobby, Motocross, gab Sam auf, nachdem ihn eine harte Landung fast seine Männlichkeit gekostet hätte. Danach versuchte er es mit Rugby, doch das Maoriblut großmütterlicherseits war nicht dick genug, um es mit den durchtrainierten „echten" Maoris aufzunehmen. Mit dem Paddeln begann Sam dann aus pragmatischen Gründen: Warum nicht die Rafts, die er für ein örtliches Unternehmen im heimischen Rotorua fotografierte, auf dem Wasser begleiten, um so zu noch besseren Perspektiven zu gelangen? Ready to rumble - doch inzwischen sind die Seiten längst vertauscht. Sam agiert vor der Kamera: Mitten im mexikanischen Dschungel sitzt er im Kajak und wartet auf das Zeichen seiner Kollegen. Deren Füße suchen Halt auf den rutschigen Felsen, die Augen scannen das Ufer nach der besten Sicherungsposition, um im Notfall mit dem Wurfsack zur Stelle zu sein - denn auch wenn jeder allein im Boot sitzt, ist Kajakfahren doch Teamsport. Endlich sind alle auf den Plätzen und strecken den Daumen in die Luft - das Startsignal für Sam. Noch einmal tief durchatmen, dann treibt Sam sein Boot mit kräftigen Schlägen dem Abgrund entgegen. Aus der Nummer kommt er jetzt nicht mehr raus. In der atemberaubenden Kulisse des herabstürzenden Wassers sieht der kleine Paddler aus wie eine Spielzeugfigur. Die Dimensionen des turmhohen Wasserfalls machen deutlich, wer hier das Sagen hat - der kleinste Fehler kann fatale Folgen haben. Das weiß auch Sam: „Große Drops sind etwas ganz Besonderes für mich. Einerseits treiben sie mir den Angstschweiß auf die Stirn, andererseits ziehen sie mich magisch an. Ich liebe es, immer wieder meine Grenzen neu auszuloten. Manchmal bekommst du dabei eine ordentliche Klatsche, aber das Gefühl, sich mal wieder an einen großen Drop oder an ein schweres Rapid getraut zu haben, ist einfach unvergleichlich! Wenn ich in meine Paddelklamotten steige, kommt mir das vor, als lege ich eine Art Rüstung an. Ab diesem Moment steht der Schalter auf ‚Action'!" Als Sam dann endlich über die Kante kommt, hält die gesamte Crew den Atem an. Noch nie zuvor hat jemand diesem Wasserfall die Sitrn geboten, zu groß war die Angst vor Verletzungen und der Respekt vor den Wassermassen. Mit einem letzten dosierten Schlag an der Kante bringt Sam sein Kajak in den perfekten Fallwinkel. Während für ihn die Zeit stillzustehen scheint, geht für die Jungs am Ufer alles rasend schnell: Oberkörper nach vorn aufs Boot, Paddel loslassen und Bam! Nach seinem Flug schlägt Sam ins Wasser ein. Das Kajak verschwindet samt Paddler komplett im Wasser und taucht kurze Zeit später kieloben wieder auf. Nur mit den Händen und einer perfekten Hüfttechnik richtet Sam das Boot wieder auf. Vollgepumpt mit Adrenalin reckt er seine Faust in den Himmel und schreit seine Freude hinaus in die Welt. „Whoooooaaaaa!!!” Das Grinsen will gar nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden. Und wie gesagt, dieses Gefühl scheint süchtig zu machen: Noch im Kajak sitzend, ruft Sam „Give me more!" Kosmopoliten in Kajaks Die ständige Suche nach neuen Abenteuern und extremen sportlichen Herausforderungen treibt die Athleten an und führt sie auf einer nicht enden wollenden Reise rund um den Globus.
Olaf Obsommer, der die Expeditionen mit seiner Kamera begleitet, hat inzwischen mehr Stempel in seinem Reisepass als Unterhosen im Schrank. Das Kajak-Virus hat Olaf bereits mit der Muttermilch aufgesogen: Seine Mutter ist mit ihm schon schwanger über den Rhein im heimischen Nordrhein-Westfalen geschippert. Mit seinen mitlerweile 41 Jahren ist der Wahl-Bayer zwar etwas ruhiger geworden, die Leidenschaft für seinen Sport aber sieht man ihm an jedem Tag im Fluss an. „Bei richtig schwerem Wildwasser stoße ich mit meiner Kameraausrütung im Kajak an meine Grenzen. Aber nur von Erzählungen füllen sich meine Bänder ja nun mal nicht - es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als weiterhin mit den jungen Wilden auf den Bach zu gehen", schmunzelt Olaf. Sein neuestes Projekt, die Fernsehdokumentation „Auf der Suche nach dem Flussgott", hat die Gang neben Mexiko auch nach Sibirien und Island geführt – der totale Kontrast zum Paddeln unter der Sonne Mexikos. Island ist rau, kalt, karg, und doch wunderschön. Vulkane, Lavawüsten, riesige Gletscher, heiße Quellen und die weltberühmten Geysire sind Grund genug für eine Reise in den hohen Norden. Aber auf ihrer zweiwöchigen Rundreise hatten die Jungs eher Augen für ein Naturspektakel ganz anderer Art: „Island ist ein wahres Königreich an Wasserfällen. Ob groß oder klein, ob Rinnsal oder mit kräftiger Wassersäule - hier kommt jeder Fan der steilen Meile auf seine Kosten", umreißt Olaf den Charakter des Paddelziels Island. Da Teamfahrer Bernhard Mauracher aus Österreich den langen Weg mit eigenem Auto und Fähre auf sich genommen hatte, konnten die Jungs in Island auch ausrüstungsmäßig aus dem Vollen schöpfen. „Wir haben ein Schienensystem für Kamerafahrten, ein Unterwassergehäuse und als Highlight einen neun Meter langen Kamera-Kran. Wären wir damit am Flughafen aufgetaucht, hätten uns die Damen am Check-in entweder ausgelacht oder wir hätten uns dumm und dämlich bezahlt", freut sich Jared Meehan, über die filmerische Vollaustattung. Seit einigen Jahren ist der Kiwi neben Olaf der zweite Kameramann und sorgt mit seinen kreativen Ideen für frischen Wind in den Videoproduktionen. Mit weitaus weniger musste die sportliche Reisegruppe ein paar Wochen später auf dem nächsten Trip auskommen. Altai: das heißt so viel wie „bunte Berge".
Bunt gemischt war auch das Team der Russland-Expedition: zehn Leute aus sechs unterschiedlichen Ländern. Was sie eint, ist die Liebe zum Kajakfahren und die Lust auf große Abenteuer. Und genau das erwartet sie dort, wo Russland, Kasachstan, die Mongolei und China aneineinandergrenzen. Im Altai Gebirge stand klassisches Expeditions-Rudern auf dem Programm. Dabei sind die Athleten oft mehrere Tage auf unbekannten Flüssen unterwegs und völlig auf sich allein gestellt. Schlafsack, Isomatte, Kocher und Verpflegung - alles muss im Kajak transportiert werden. Auf Wildwasser im höchsten Schwierigkeitsgrad keine leichte Angelegenheit. In solchen Situationen denkt man zweimal über jeden Energieriegel nach, den man in seine Lebensmitteltasche packt. Auch für den Deutschen Thilo Schmitt ist das Paddeln weitab von jeglicher Zivilisation eine ganz besondere Herausforderung: „Man fühlt sich einfach nicht so sicher, mit zehn Kilo Gepäck im Boot. Als wir dann auch noch einen verunglückten Rafter am Ufer gefunden haben, hat das sicher nicht zur psychologischen Unterstützung beigetragen. Aber die tiefen Schluchten in Sibirien zu entdecken, war definitiv eine einmalige Erfahrung." Doch wer glaubt, nach einem anstrengenden Tag auf dem Wasser interessiert sich noch irgendjemand für die heldenhaften Befahrungen oder den tieferen Sinn des Lebens, der irrt. Ein Blick in die Gesichter verrät, was wirklich in ihnen vorgeht: Da geben sich Schweinebraten, Burger und Schokotorte die Klinke in die Hand. Der fliegende Teppich Aber warum nehmen die Kajakfahrer diese Gefahren auf sich? Was ist die Motivation, ihr Leben auf schwerstem Wildwasser und den höchsten Wasserfällen zu riskieren? Paddler wollen die Elemente spüren, sich mit ihnen messen, ein Teil von ihnen werden. Im Gegensatz zu den Bergen, die mit ihren felsigen Gesichtern seit Jahrhunderten majestätisch in der Landschaft stehen, kennt das Wasser kein Halten. Ein Fluss ruht nie. Überschäumend und ungebändigt drängelt er sich ins Tal, kommt erst zur Ruhe, wenn er einen See oder einen Fluss erreicht. Doch im Grunde genommen ist Kajakfahren ein Bergsport wie jeder andere. Es geht um Natur, persönliche Grenzen, Spaß und die Suche nach Freiheit. Und die Krönung dieser Freiheit? Was der Gipfel für den Bergsteiger, ist der Wasserfall für den Wildwasserpaddler! Der amerikanische Philosoph Doug Ammons erklärt das Phänomen so: „Wir Menschen sind eine sehr beschränkte Spezies: Wir können nicht besonders schnell laufen, wir können nicht gut schwimmen und wir können nicht fliegen. Aber wenn wir uns im Kajak vom Ufer abstoßen, kämpfen wir gegen unsere Schwächen und Ängste an. Wir testen unsere Grenzen – keine andere Spezies auf unserem Planeten tut so etwas. Und wir gehen noch weiter: Wir brechen die Gesetze der Schwerkraft, lösen uns vom Wasser und fliegen – indem wir die Wasserfälle befahren. Ein Wildwasserkajak erinnert mich an einen fliegenden Teppich: Lerne ihn zu kontrollieren und er trägt dich auf und davon. Auf adidas.com/outdoor/magazine gibt es mehr inspirierende Geschichten und Bilder, oder sieh dir das Kajaking-Video an
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